Details
ein schönes attentat
Autor/Autoren: Assaf Gavron
352 Seiten, Gebundene Ausgabe
Luchterhand Literaturverlag
UPC/EAN: 9783630872650
ISBN-10: 3-63087-265-4 (3630872654)
ISBN-13: 978-3-63087-265-0 (9783630872650)
Stichworte: [Belletristik] [Erzählungen] [HC/Belletristik/Erzählende Literatur] [Romane] [Attentat; Romane/Erzählungen] [Israel; Romane/Erzähl.] [Nahostkonflikt / Nahostkrieg; Romane/Erzählungen] [Palästinenser; Romane/Erzählungen] [Israelische Belletristik] [Jerusalem] [Roman, Erzählung]
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Kundenmeinungen:
++++ (ein Amazon Kunde): Licht und Schatten
Während Eitan Einoch alias Krokodil als Time-Manager jeder Sekunde
seiner Kunden und seines Lebens hinterher hechtet, entgeht er knapp -
womöglich durch Vorsehung, vielleicht durch Zufall - drei Anschlägen
palästinensischer Selbstmordattentäter in Tel Aviv und Jerusalem. Gerade
rechtzeitig wird er den kleinen Neuner verlassen, den Stuhl wechseln, ehe
die Bombe explodiert. Ohne es selbst wahrzunehmen, verändert Eitan sein
Leben und seine Beziehungen zu Familie und Freunden, wird zum Helden, zum
Symbol des Kampfes gegen den Terror, zum Star der israelischen Medien.
Der Romans teilt sich in zwei Handlungsstränge - der Eitans, des
Israeli und nationalen Helden, der den Zorn der Terroristen schürt und den
jungen palästinensischen Terroristen Fahmi aus dem Schatten rückt, um die
Sicht des Attentäters im zweiten Strang klarer darzustellen. Fahmi's
Geschichte wird in Rückblenden aus dem Koma aufgebaut, begleitet von
Familie und Freunden, während sich Eitan von Beginn an das Geschehen heran
wagt. Beide Erzählungsstränge werden sich treffen auf dem Höhepunkt - des
Schaffens des einen und der Gleichgültigkeit des anderen.
Die Auswahl und Darstellung der Charaktere ist sehr gut gelungen -
zumal Wertigkeiten füreinander und für ihr Handeln sehr deutlich
hervorgehoben sind. Es ist schwer für jemanden Partei zu ergreifen (und
wohl auch nicht so gedacht), da die Hauptakteure aus Liebe und Hass
geknüpft sind. Aussichtslosigkeit - beinahe Resignation - zieht sich als
roter Faden durch den Roman.
Herausragende Spannung ist zu erwarten, ihre Spitzen werden von den
Attentaten unterstützt und reichen darüber hinaus. Die Trostlosigkeit der
Geschichte mag mitunter anstecken und macht traurig! Dennoch ein sehr
empfehlenswerter, aktueller und moderner Roman, der sich ins Zeitgeschehen
einfügt.
+++++ (ein Amazon Kunde): Alltäglicher Terror - Alltag des Terrors
Eitan Ennoch, ein junger, erfolgreicher Israeli, überlebt nur durch
einen glücklichen Zufall ein palästinensisches Selbstmordattentat. Kurz
zuvor macht er die Bekanntschaft von Giora, der bei eben diesem Anschlag
umkommt. Eitan macht sich auf den Weg, Gioras Familie zu besuchen. Dabei
entgeht er zwei weiteren Anschlägen nur um Haaresbreite.
Während Eitan für die jüdischen Israelis zur Symbolfigur des
Widerstandes wird und in Fernseh- und Rundfunkshows auftritt und er gerade
aus diesem Grund für die palästinensischen Extremisten selbst zu einem Ziel
voller Symbolkraft wird, gerät sein eigenes Leben zusehends aus allen
Fugen.
Parallel wird die Geschichte des Palästinenser Fahmi erzählt, der vor
dem Hintergrund der israelischen Besatzung seiner Heimat immer tiefer in
den Extremismus der verschiedenen Aktivistengruppen gerät.
Am Ende kommt es zum verhängnisvollen Aufeinandertreffen dieser
beiden Schicksale.
Assaf Gavron gelingt es, diesen schwierigen Stoff mit wunderbarer
Leichtigkeit und subtilem Humor zu schildern, ohne dabei das Thema für eine
Pointe zu verraten. Gavron bezieht nicht Stellung, übt keine
Schuldzuweisung und macht gerade damit eindrucksvoll deutlich, warum es so
schwer ist, das Pulverfass Naher Osten zu befrieden.
Ein beeindruckendes Buch, das auf unterhaltsame Weise ein komplexes
Thema mehr erhellt, als die meisten Sachbücher.
+++++ (ein Amazon Kunde): ein Buch das gleichzeitig unterhält und informiert
Da mein Vorrezensent den Inhalt dieses Buches bereits auf den Punkt
gebracht hat, möchte ich mich nur auf folgende Anmerkungen beschränken:
Dieses Buch hat mich fasziniert, weil diese schwierige politische
Situation, die wir Europäer gar nicht richtig einschätzen und beurteilen
können, auf äußerst informative und unterhaltsame Weise dem Leser nahe
gebracht wird.
Schon der Titel, "Ein schönes Attentat", ist ja ein Widerspruch in
sich und dieser Widerspruch zieht sich durch den ganzen Roman.
Das Buch liest sich leicht, trotz der schweren Thematik. Es ist eine
Bereicherung für jeden der sich für dieses Land interessiert.
+++++ (ein Amazon Kunde): Dieser Roman bringt den Konflikt im Nahen Osten, seine Wurzeln und seine Aussichtslosigkeit auf den schmerzhaften Punkt
Die schier ausweglose Situation zwischen Israelis und Palästinensern
ist in der Vergangenheit schon das Thema zahlreicher Romane und Erzählungen
gewesen. Je nach Blickwinkel wurden dabei unterschiedliche Erfahrungswelten
und Betroffenheiten in den Mittelpunkt gestellt. Jessica Durlachers
"Emoticon" zum Beispiel hat vor etwa zwei Jahren eindeutig Partei ergriffen
und den hinterhältigen Terror der palästinensischen Organisationen
gegeißelt. Viele israelische Autoren wie Amos Oz, David Grossmann haben in
der Vergangenheit sich literarisch diesem fast unlösbaren Verhältnis
gewidmet und dabei nie die Hoffnung aufgegeben, dass es trotz des
tiefsitzenden Hasses auf beiden Seiten zu einer Annäherung kommen kann, ja
muss. Besonders beeindruckt haben mich im vergangenen Jahr drei Bücher aus
Israel, die sich mit dem Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern
befassen: Avirama Golans "Die Raben", Eshkol Nevos "Vier Häuser und eine
Sehnsucht" und das auch bei Luchterhand erschienene Buch des jungen
Schriftstellers Yiftach Ashkenazy von "Der Geschichte vom Tod meiner
Stadt".
Das neue Buch von Assaf Gavron nun beschreibt den alltäglichen
Wahnsinn im Nahen Osten auf eine ganz besondere, eigene und
unverwechselbare Art, wie ich sie so voller Komik und Ironie vorher noch
nicht gelesen habe.
Gavron, in Israel als einer der originellsten und besten
Schriftsteller sehr geschätzt, beschreibt in seinem neuen Roman die
Geschichte von Eitan Enoch, einem jungen Israeli, der mit seiner Tätigkeit
bei einer Hightech-Firma, die sich auf Programme und Systeme spezialisiert
hat, die ihren Kunden überall in Europa helfen wertvolle Zeit zu sparen,
was Gavron voller Ironie schildert, gutes Geld verdient und sehr
erfolgreich ist. Die dauernden Attentate von palästinensischen Terroristen
nimmt er eher auf die leichte Schulter, während seine Freundin, die als
Anwältin arbeitet, über die ganze Situation sehr besorgt und verängstigt
ist.
Der Roman beginnt mit einer Szene in einem Bus, mit dem Eitan zur
Arbeit fährt, und der, kurz nachdem er den Bus verlassen hat, Ziel eines
Selbstmordattentäters wird. Ein junger Mann, mit dem Eitan noch kurz vor
seinem Verlassen des Busses über eine verdächtige Person im Bus geredet
hat, wird bei dem Anschlag getötet. Das schlechte Gewissen lässt Eitan
keine Ruhe, und das ganze Buch über ist er auf der Suche nach der
Geschichte dieses jungen Mannes, lernt dessen Freundin kennen, der er eine
Botschaft überbringen sollte, und verliebt sich in sie.
Auf dieser Suche gerät er kurz hintereinander in zwei weitere
Anschläge und überlebt sie. Eitan wird zum Held, präsent in allen
Fernsehsendungen. Gleichzeitig macht ihn dies zur endgültigen Zielscheibe
der Terroristen, über deren Pläne, Gedanken, politisch-wirren Vorstellungen
und Gespräche wir vom Autor parallel zur anderen Handlung immer wieder
informiert werden.
Denn der Palästinenser Fahmi Sabih, der die Attentate plante, liegt
im Krankenhaus im Koma, ist aber bei vollem gedanklichen Bewusstsein und
erzählt, immer abwechselnd mit Eitan, die Geschichte weiter. Er hadert mit
seinem Schicksal und seinem Bruder, der nicht nur ihn zu diesen Attentaten
angestiftet hat und dafür aus dem Gaza-Streifen auch die nötigen
finanziellen Mittel bekommen hat.
Wir erfahren, wie die Palästinenser von einem großen Schlag träumen
und doch keine blasse Vorstellung davon haben, wie ihre Zukunft aussehen
könnte. Ich fühlte mich bei der Lektüre immer wieder erinnert an Dan Diners
wegweisendes Buch "Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen
Welt", das ich auf diesem Weg allen Lesern des Buches von Gavron sehr ans
Herz legen möchte.
Und wir erfahren etwas vom Umgang der israelischen Gesellschaft mit
dieser dauernden Bedrohung, mit der man zu leben gelernt hat und mit der
man dennoch nicht wirklich leben kann, weil sie alles zerstört, was diesem
Staat und dieser Gesellschaft wichtig war und ist. Darauf haben besonders
Amos Oz und David Grossman in der letzten Zeit immer wieder in zahlreichen
Zeitungsartikeln hingewiesen.
Indem Gavron durch die Komposition seines Buches quasi eine Symmetrie
des Leidens auf beiden Seiten herstellt, bringt er den Konflikt, seine
Wurzeln, aber auch seine Aussichtslosigkeit auf den schmerzhaften Punkt.
Dass es ihm dabei gelingt, dem allen eine tragikkomische Seite
abzugewinnen, macht die Lektüre dieses Buches zu einem Ereignis, das nicht
nur in Israel sicher manche Leser auf die Palme bringen wird. Denn wie
gesagt, er schildert nicht nur die Situation der Opfer, sondern führt uns
weit in die Gedankengänge und Gefühlswelten der terroristischen Täter
hinein. Fern ab vom Geschehen, kann sich der deutsche Leser nur vorstellen,
welche Diskussionen dieser absolut lesenwerte und spannenden Roman in
Israel ausgelöst hat.
Ich wünsche diesem Buch in Deutschland viele Leser, die sich danach
vielleicht intensiver mit der Situation in Israel befassen werden, und
vielleicht auch zu anderen Büchern über dieses endlose Themen greifen
werden.
Begriffe
|Belletristik| Erzählungen| HC/Belletristik/Erzählende Literatur| Romane| Attentat; Romane/Erzählungen| Israel; Romane/Erzähl.| Nahostkonflikt / Nahostkrieg; Romane/Erzählungen| Palästinenser; Romane/Erzählungen| Israelische Belletristik| Jerusalem| Roman, Erzählung|
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