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Der Zauberberg. Roman. | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Thomas Mann
Herausgeber: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Taschenbuch

Stichworte: [Modern fiction] [Deutsche Belletristik] [Roman, Erzählung] [Literature - Classics / Criticism] [TB/Belletristik/Hauptwerk vor 1945] [Erzählungen] [Romane] [European - German] [Literary Criticism / European / German] [Belletristik] [General & Literary Fiction]

Wenn irgendwann einmal ein Preis für den besten Buchtitel vergeben werden sollte, würde für mich Thomas Manns Zauberberg ganz oben auf die Liste gehören. Noch bevor ich das Buch gelesen hatte, weckte schon das Wort Neugier auf eine magische Welt. Nun, wer den Zauberberg kennt, weiß, daß dies kein Buch von fremden Feenwelten ist, und doch waltet hier eindeutig Magie. Die erste magische Leistung besteht darin, eine Handlung, die in einem Satz zusammengefaßt werden kann, auf 1.000 Seiten zu packen: Der junge Hamburger Hans Castorp, Sproß einer Patrizierfamilie lebt bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs sieben Jahre in einem Schweizer Luxussanatorium für Lungenkranke, ohne selbst krank zu sein. Die zweite magische Leistung ist Thomas Manns Sprache, die auch in tausend Jahren nichts von ihrer Kraft verloren haben wird. Die dritte magische Leistung ist die Behandlung der Figuren, die alle mehr mehr sind als bloße Protagonisten. Sie sind Exponate ihrer Zeit, jede für sich repräsentiert einen Teil geistigen Lebens in einer Ära, deren Ende sich vollzog während Thomas Mann am Zauberberg saß und schrieb. Die vierte magische Leistung schließlich, die zauberbergigste vielleicht, ist das Spiel mit dem Leser. Oder besser: das Spiel mit der Geschwindigkeit des Lesers. Thomas Mann erreicht, daß dem Leser zehn Minuten Lesen wie eine halbe Stunde Lesen vorkommen, und zwar genau dann, wenn Hans Castorp denkt, er habe eine halbe Stunde geträumt. Wie sich herausstellt, waren es zehn Minuten. Elf Jahre hat Thomas Mann an dem Buch geschrieben, das doch eigentlich nur eine Weiterführung des Themas aus Tod in Venedig sein sollte. Es wurde einer der meist gelesenen deutschen Romane. Zu recht. --Bettina Albert Aus der Amazon.de-Redaktion

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Kundenrezension Nr. 67
Boah Ey, der größte Roman, wundervoll, unfaßbar undsoweiter undsoweiter.Lauter Überwältigungsvokabeln. Aber ist es auch was für Sie? Man kann sich da herantesten. Wenn Sie keinen Fernseher haben: Pluspunkt.Allein schon vom Zeitbudget her. Mein Mathematiklehrer Professor Bruno Wittkowski hat einmal gesagt: Kaufen Sie sich erst ein dünnes Buch, wenn Sie in ein Thema einsteigen wollen.Die dicken liest man meist doch nicht. Testfrage Nr.2: Der Held ist Hans Castorp , aus bester Hamburger Familie. Über ihn liest man dies (und wie finden Sie das?): \'Nur widerstrebend hätte er Butter gegessen, die ihm in einem Stück und nicht vielmehr in Form geriefelter Kügelchen vorgesetzt worden wäre\' Wenn Sie das goutieren und nicht etwa irgendwie irgendwo albern finden, dann könnte es sein ,daß Sie ein Zauberberg-Adept werden könnten. Wer nicht sicher ist ,kann auch erstmal zu den Erzählungen greifen. Und, es ist auch erlaubt mal ein Kapitel zu überschlagen, meinetwegen die Naphta-Settembrini-Gespräche.Kann man sich eventuell für den zweiten Durchgang aufheben.Wird nicht bestraft.Gibt keine Punkte in Flensburg dafür. Der Architekt Peter Eisenman schrieb einmal, daß er sich ständig in einem Prozeß sehnsüchtiger, schöpferischer Fehllektüre befände. Könnte also gut sein, daß man das "Fehl" in diesem Fall glatt streichen kann.Es ist auch ein sehr humorvoller Roman.Aber der von der kultivierten Art.Sie wissen ja: Geriefelte Butterkügelchen.
+++++ (ein Amazon Kunde): Was für ein Buch!
Was für ein Mount Everest der deutschen Literatur! Diese Sprachbehandlung ist phantastisch und sucht seines Gleichen. Es ist wahr, man braucht einen sehr, seeehr langen Atem...doch die Mühe lohnt sich und wird belohnt. Gewaltig! Berauschend! Phantastisch!
++ (ein Amazon Kunde): Enttäuschend
Nachdem ich die Buddenbrooks regelrecht verschlungen habe, konnte ich es gar nicht erwarten, als ich endlich den Zauberberg in den Händen hielt. Der Anfang war auch noch recht gut und ich freute mich auf schöne Leseabende, aber leider war es nur eine Qual. Die Geschichte ist schnell erzählt. Hans Castorp fährt in ein Sanatorium nach Davos um seinen Vetter für 3 Wochen zu besuchen. Aus den 3 Wochen werden 7 Jahre. Hans Castorp lernt viele interessante Menschen kennen, sieht viele Menschen sterben und er verliebt sich. Die restlichen ca. 900 Seiten sind gefüllt mit langatmigen Detailbeschreibungen und philosophischen Debatten. Ich habe noch nie in einem Buch Seiten übersprungen, aber hier habe ich es zum ersten Mal getan. Nicht enden wollende philosophische Debatten, die den Nicht-Philosophen einfach nur zum Abschalten und Überblättern zwingen. Zwei Sterne gibt es von mir dafür, dass es an einigen Stellen doch eine ganz gute Geschichte ist, die man aber durchaus um 800 Seiten hätte kürzen können. SCHADE!
+++++ (ein Amazon Kunde): Genial, aber l a n g weilig
Der Inhalt, sowie die Hintergründe dieses Buches sind einfach nur genial. Meine Bewertung dafür wäre eine glatte Eins. Thomas Mann wirft so viele interessante politisch-philosophische Fragen auf und bringt den Leser viel zum Nachdenken. Neben der Politik und Philosophie sind Liebe, Krankheit und Tod zentrale Themen des Werkes. Die Essenz ist einfach fabelhaft-genial aber, Thomas Mann beschreibt alles bis ins kleinste Detail, das oft sehr sehr langweilig zu lesen ist und es macht das Buch sehr trocken und schwer zu lesen. Ich bin froh, dass es jetzt endlich durch ist, aber ich bereue es nicht das Buch gelesen zu haben. Trotzdem ist es leider das Langweiligste, das ich je gelesen habe, aber auch das Genialste. Ich weis, dass sind zwei Widersprüche, aber so ist es. Lest selbst!

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Die Blechtrommel | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Günter Grass
Herausgeber: Dtv
Taschenbuch

Stichworte: [Modern fiction] [Historical fiction] [Classics] [Political] [Danzig] [Deutsche Belletristik] [Roman, Erzählung] [Fiction] [Literature - Classics / Criticism] [TB/Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)] [Belletristik] [Erzählungen] [Romane] [Fiction / Classics] [Historical - General] [General & Literary Fiction]

Für viele war wohl die großartige Schlöndorff-Verfilmung Anlaß, nun endlich auch einmal das Buch zur Hand zu nehmen. Erstaunlich. Beim Lesen nehmen augenblicklich die Filmfiguren ihre Plätze ein. Das spricht für Schlöndorff. Nicht auszudenken, hätte man die Aufgabe einem minderen Regisseur übertragen. Dann stünde uns jetzt bei Alfred Matzerath statt Adorf vielleicht Joachim Fuchsberger vor Augen. Grass nimmt sich in seinem nach wie vor erfolgreichsten Buch Die Blechtrommel alle Zeit der Welt. Kaschubische Weiten, Kartoffeläcker und das Danzig um die Jahrhundertwende werden episch vor uns ausgebreitet. Anders als im Film, endet Oskar in der Irrenanstalt und erzählt nun als 30jähriger seine Geschichte. Ein deutsches Fresko. Weltgeschichte von unten, aus den Augen des kleinen Oskar Matzerath gesehen, der an seinem dritten Geburtstag beschließt, sich der Erwachsenenwelt zu entziehen und von nun an nicht mehr weiterzuwachsen. Man schenkt ihm eine Blechtrommel, die sein lebenslänglicher Begleiter sein wird. Oskar hat nun die Freiheit des Narren. Er stört, er mahnt und kommentiert, einem Rufer in der Wüste gleich, mit seiner kleinen Blechtrommel die schlimmsten Jahre unseres Jahrhunderts. 1958, bei seinem Erscheinen, war der Roman ein sofortiger Erfolg. Fast schon ein Fluch für einen Schriftsteller, mit seinem zweiten Werk Weltberühmtheit zu erlangen, nur um anschließend ein Leben lang an dieser Leistung gemessen zu werden. --Ravi Unger Aus der Amazon.de-Redaktion

Kundenmeinungen:
++++ (ein Amazon Kunde): einzigartiger Erzählstrom
Günter Grass ist ein bedeutender Erzähler und ein ebenso bedeutender Schwadroneur. Der Mann entfaltet in seiner Danziger Erzählung vom dreijährigen Oskar, der beschließt, nicht mehr weiterzuwachsen, einen Erzählstrom, der in der deutschen Nachkriegsliteratur ziemlich einzig dasteht. Unter Berücksichtigung der Tatsache natürlich, dass die Nazis nahezu alle bedeutenden deutschen Schriftsteller ermordet, mundtot gemacht oder ins Exil getrieben hatten. Dennoch ist Grass der Nobelpreis für diesen Roman zu gönnen. Eine Sprache, ruhig und gewaltig wie ein Strom, einzigartige und zum nationalen Bildungsgut gewordenen Bilder wie das von der Großmutter, die einen Flüchtigen unter ihrem Rock versteckt oder das vom trommelnden Dreikäsehoch, der eine Parteiversammlung zum Walzertanzen bringt (Schlöndorff hat dazu in der Verfilmung kongeniale Einstellungen gefunden) und immer wieder zeitgenössische Einsprengsel und Verflechtungen seiner Familiengeschichte mit der Historie wie beim Kampf um die Danziger Post, die den Nazis so ziemlich als erstes in die Hände fiel. Grass handelt in seiner eigenwilligen Familiengeschichte das "dritte Reich" eher nebenher ab, beschränkt sich so auf seine Figuren und deren Art und Weise, in schwierigen Zeiten zu überleben. Und das mit Recht. Der Roman reicht dann auch noch ein gutes Stück in die Nachkriegszeit hinein - und manchmal würde man sich wünschen, Grass hätte uns das hunderste oder tausendste Detail erspart. Grass\' Erzählvermögen beeindruckt zwar bis zuletzt, seine Sprache ertrinkt aber bisweilen in einer Fülle an Satzungetümen, die Thomas Mann Ehre machen würden und krankt an ihrem enormen Detailreichtum. Dennoch trägt die Erzählung bis zum Ende und insgesamt muss man Günter Grass für dieses sprachliche Vermögen bewundern. Die letzten paar hundert Seiten musste ich mich allerdings immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
+++++ (ein Amazon Kunde): DAS macht Lust auf Lesen; SOWAS gehört ins Zentralabi
Ein besonders engagierter Deutschlehrer hat mit uns »Die Blechtrommel« in der Oberstufe gelesen, obwohl das Buch nicht abiturrelevant war. Trotz seines Umfangs war es das einzigste Buch, dass wirklich jeder Schüler in unserem Kurs bis zum Ende durchgelesen hat. Selbst die Schüler, welche sonst kein Buch anrühren (und die Schullektüren erst recht nicht), waren begeistert. Und das Ganze obwohl die Kriegthematik allen Schülern nach der Xten Aufarbeitung bereits sehr zum Halse heraushing. Ich weiß nicht was trauriger ist: Entweder, dass nicht viel mehr solcher Bücher in der Schule gelesen werden, oder dass bei weitem nicht alle Lehrer so engagiert sind und sich auch mal über den obligatorischen Zentralabistoff hinwegsetzen. Stattdessen werden Schüler völligst falsch an unpassende Bücher herangeführt. Wie und Warum kann man sich in Deutschland des Zentralabiturs schmücken, obwohl man in der Schule nie ein Buch von Grass gelesen hat? Uns Schülern hat das Engagement unseres Lehrers viel gebracht. Für mich persönlich war dieses Buch eine Initialzündung, um mehr »tiefsinnige« Literatur zu lesen, anstatt immer nur bloße Unterhaltungsromane.
+++++ (ein Amazon Kunde): Verdienter Weltruhm
Mit diesem Buch gelang Günter Grass zu Weltruhm. Und warum das, fragt sich derjenige, der das Buch noch nie in die Hand genommen hat. Episch breitet Grass so einiges vor dem Leser aus, Danzig zur Jahrhundertwende, Kartoffeläcker, Kaschubische Weiten. Aus dem Irrenhaus erzählt der 30-Jährige Oskar Matzerath, wie er das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen erblickt und mit 3 Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen. Fortan trommelt er sich und seine Welt auf seiner Blechtrommel zusammen. Es begegnen ihm seltsame Gestalten wie Schugger Leo, er schließt sich einem kleinwüchsigen Fronttheater an um Gläser zu zersingen, er ist bei der Eroberung der Polnischen Post dabei. Er beschreibt das seltsame Liebesverhältnis zwischen Jan Bronski und Agnes und Alfred Matzerath, welches niemanden Glück bringt, sondern schlußendlich den Tod. Volker Schlöndorff verfilmte dieses Werk und mir ist eine Stelle besonders in Erinnerung geblieben: Am Meer beobachten Jan, Agnes, Oskar und Alfred einen Fischer, der einen Pferdekopf, über und über mit Aalen bestückt, aus dem Wasser zieht. Ekel stieg in mir hoch ob dieses Bildes. Ich war gespannt, wie es im Originaltext beschrieben war. Tatsächlich schafft es Grass, das Bild, welches er beschreibt, noch ekliger zu gestalten, als das tatsächlich gezeigte Bild. Widerlich! Im Großen und Ganzen ist die Blechtrommel keine leichte Kost. Weder einfach zu lesen, noch einfach zu verinnerlichen. Aber wenn sich der Buchdeckel schlußendlich schließt, muß man den Kopf senken, vor so viel Konzeption und Komposition. Weltruhm? Zu Recht.
++ (ein Amazon Kunde): Literarisch hochwertig, dafür zu hoher Ekelfaktor mit wenig Unterhaltung
Im Deutschunterricht musste ich mir einmal die Verfilmung des Literaturklassikers "Die Blechtrommel" ansehen und war von da an traumatisiert. Aber wer weiß, vielleicht ist das Original viel besser und ich sollte ihm noch eine Chance geben? Also habe ich es mir die letzten Wochen noch einmal vorgenommen: Der kleine Oskar Matzerath aus der Stadt Danzig bekommt zu seinem dreijährigen Geburtstag eine rot-weiße Blechtrommel geschenkt und verwendet diese ab dann als einziges Kommunikationsmittel zur Umwelt. Wird ihm dies entrissen, beginnt er nervtötend zu schreien und sogar Glas damit zu zersprengen. Gleichzeitig hört er auf zu wachsen, er hält sich für vollständig und reif genug und begnügt sich damit, als behindertes Kleinkind unterschätzt zu werden. Aus seiner Sicht beschreibt er das kleinbürgerliche Leben seiner Umgebung sowie den zweiten Weltkrieg und dessen Folgen. Die Idee und der Schreibstil Günter Grass` hat mir sehr gut gefallen, die Umsetzung dafür leider umso weniger. Mit mehreren ekelhaften Provokationsszenen will er die Wichtigkeit seiner Aussagen wohl unterstreichen, vergrault mich dafür als Leserin, denn für Provokation in Form von wiederholten Sexszenen etc. habe ich wenig übrig. Auch die Spannung wird gleich am Anfang genommen, da die Geschichte rückwirkend von Oskar Matzerath erzählt wird und man so schon um dessen Endschicksal weiß. Auch mehr Berichte über die eigentliche Kriegszeit hätten mich interessiert, hier stand nur das enorme Ego des Hauptprotagonisten im Vordergrund und mein andauernder Wunsch ihn mal kräftig zu schütteln und damit seine Arroganz auszutreiben. Da mir das Lesen dieses Buches weder Spaß, noch Unterhaltung, noch neues Wissen gebracht hat, ich aber die Fähigkeit des Autors durchaus anerkennen will, gebe ich hier 2 von 5 Sternen und kann es leider nicht weiterempfehlen.
+++++ (ein Amazon Kunde): Mein absoluter Favorit
Ich weiß nicht, wie viele Male ich die Trommel inzwischen aktiv (als Buch) oder passiv (vom Autor vorgelesen) inhaliert habe. Aber es gab und wird wohl auch kein Buch mehr geben, das mich mehr in seinen Bann zieht als dieses. Die unnachahmliche Art, auf die der Meister eigenes Erleben mit allgemeiner Betrachtung, dokumentierte Wirklichkeit mit unverschämt fabulöser Fiktion, erste mit dritter Person (und weiteren), klassischen Erzählroman mit verschiedenen Experimentalstilen (etwa: ein Kapitel in Art eines Theatermanuskripts, ein anderes in Form eines Märchens), Verständnis für nachvollziehbar-menschliches mit dem Entlarven beschämender Drei-Affen-Feigheit und etliche weitere vermeintliche Gegensätze, die in Wahrheit untrennbar miteinander verwandt scheinen, im gleichen - wenn auch oft unüberschaubar episch ausladendem - Atemzug zu verquicken vermag, wird mich wohl auch noch nach dem hundertsten Mal fesseln. Mal ganz abgesehen davon, daß ich mich regelmäßig zwischen dem Eingeständnis eines Klapsmühlenaufenthalts und der Flucht vor der schwarzen Köchin dem Oskar-Universum vertraut, ja innewohnend wähne. Pflichtlektüre!

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Katz und Maus | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Günter Grass
Herausgeber: Dtv
Taschenbuch

Stichworte: [Modern fiction] [War stories] [Literary] [Danzig] [Deutsche Belletristik] [Roman, Erzählung] [Literature - Classics / Criticism] [TB/Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)] [Belletristik] [Erzählungen] [Romane] [Fiction / Literary] [General & Literary Fiction]

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Katz und Maus neu gelesen
Ich stelle immer wieder fest, dass es sich lohnt mit einem Zeitabstand von 20-30 Jahren ein altes Buch neu zu entdecken. So erging es mir u. a. mit der Schilderung der Jünglingsjahre des Großen Joachim Mahlke. Wahrhaft ergreifend dieses Buch. Im August fahre ich nach Danzig und werde mich auf die Spur Günter Grassens begeben.
+++++ (ein Amazon Kunde): Grasskonzentrat
Auch wenn ich seine epischen Ausgeburten besonders schätze: "Katz und Maus" ist sozusagen ein Grasspresso. Als Teil der Danziger Trilogie (wobei "Trilogie" aus heutiger Sicht angesichts zahlreicher weiterer themenverwandter Werke natürlich nicht mehr stimmt) in einer schon fast vertrauten Szenerie plaziert, schmeckt man förmlich das salzig-sommerwarme Wasser und getrockneten Möwenmist, wähnt sich mit dem Protagonisten in die Strandbatterie verdonnert und erlebt so die finsteren Kriegsjahre aus einer bisweilen erschreckend nachvollziehbaren, so gar nicht finsteren, weil lebendigen Perspektive. Wie schon in der Blechtrommel gibt es als Garnitur Absurdes und Fabelhaftes. Alles in allem ist diese Novelle eine vorzügliche Zeitmaschine und gestattet es Dank ihrer knackigen Kürze, Weltliteratur an einem Nachmittag zu verschlingen. Pflichtlektüre!
+++++ (ein Amazon Kunde): Man wird es lieben oder hassen!
Die Novelle "Katz und Maus" von Günter Grass ist im Vergleich zu anderen Schullektüren erfrischend anders und eine willkommene Abwechslung. Das Buch zeigt, wie der Protagonist Joachim Mahlke unter dem Druck seiner Umwelt zu einem Erwachsenen heranwächst und wie er in seiner Entwicklung mit all den Teenager-typischen Problemen zu kämpfen hat. Da die Sprache, in welcher das Buch geschrieben ist, dem Leser keine Schwierigkeiten bereitet, liest man das Buch in einem durch, angespornt von der Neugier, was aus dem "großen Mahlke" wird. Genauso wie Günter Grass mit seinem provokanten Schreibstil polarisiert, polarisiert auch "Katz und Maus". Man wird es lieben oder hassen!
++ (ein Amazon Kunde): lange rede kurzer sinn
Mag sein, dass es literarisch sehr wertvoll ist, weil es einen ganz eigenen Stil hat. Dieser ist allerdings langweilig und eintönig. die detailreiche Beschreibung wirkt einschläfernd, dass man am liebsten das Buch gleich wieder beiseite legen möchte. Die Handlungen der Jungen sind unseretwegen normal und alltäglich...das kann es ruhig sein, nur heißt es nicht, dass man das unbedingt lesen möchte! In der Schule kann man es lesen aufgrund des Stils und weil man es scheinbar zu den Büchern gehört, welche man gelesen haben sollte, um mitreden zu können.
++++ (ein Amazon Kunde): Die Geschichte eines Adamsapfels
Goethe fordert: Die Novelle soll eine Geschichte über eine unerhörte Begebenheit sein. Diesem Anspruch wird die Novelle ,,Katz und Maus" von Günter Grass in jedem Fall gerecht. Denn sie ist nicht nur eine Geschichte über einen von der Gesellschaft ausgegrenzten Jungen, sondern vielmehr eine über dessen übergroßen Adamsapfel. Im Buch steht: ,,Mahlkes Adamsapfel fiel auf, weil er groß war, immer in Bewegung und einen Schatten warf." Diese unerhörte Begebenheit wird von dem Klassenkameraden Pilenz erzählt, der sich dazu verpflichtet fühlte. Warum, erklärt er fast zu Beginn der Geschichte: ,,Ich aber, der ich Deine Maus einer und allen Katzen in den Blick brachte, muß nun schreiben." Diese Erzählperspektive bewirkt, dass der Leser sich direkt angesprochen fühlt und die Geschichte greifbar erscheinen lässt. Es wirkt fast so, als würde Pilenz dem Leser persönlich seine Erinnerungen erzählen, wenn er wieder mit seinem ,,...und einmal, als..." beginnt. Daher lässt sich auch leicht der Schreibstil von Grass erklären. Die Sätze sind gut zu lesen und zu verstehen. Denn so gut wie alle Wörter kommen im alltäglichen Sprachgebrauch vor, was immer wieder verdeutlicht, dass hier eine Erzählung eines Mannes über die Erinnerungen aus seiner Jugend vorliegt. Der Autor verwendet oft zeilenlange Sätze, die dadurch aber nicht weniger verständlich werden, sondern eher zur genauen Beschreibung dienen. Doch diese erzählerische Schreibweise ist nicht nur fürs äußerliche Leseempfinden wichtig, sondern sie fordert den Leser praktisch auf, sich mit der Hauptperson, nämlich Mahlke, zu beschäftigen. So kommen viele Fragen auf: Wieso kämpft Mahlke um Bewunderung und Anerkennung, aber genießt sie nicht? Wieso wird er als Außenseiter dennoch heimlich bewundert? Oder warum verzweifelt er so sehr, als ihm ein Vortrag über seine Taten im Krieg an seinem ehemaligen Gymnasium verweigert wird? Die subjektive Beschreibung Mahlkes macht ihn für den Leser sehr interessant und je mehr man liest, desto mehr erfährt man über ihn, was ein guter Ansporn ist, weiterzulesen. Das spricht dafür, dass man dem Kommentar von Walter Jens, der auf der Rückseite des Buches steht, zustimmen kann. Er sagt nämlich: ,,Ich halte die Figur des >Großen Mahlke Diese Rezension soll aber nicht den Eindruck erwecken, dass diese Novelle eine einfache Geschichte über einen sonderbaren Jungen ist. Denn Grass bietet hier viel Anlass zur Interpretation und tiefgründiger Betrachtung. So bildet die Maus eine Metapher für seinen auffälligen Adamsapfel. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte wie die Metapher mit der Katze, über die hier aber nichts verraten werden soll. Auch das Tauchen, wovon in der Inhaltsangabe erzählt wurde, lässt sich an gewissen Stellen im Buch tiefergehend deuten. Werturteil Zur Beurteilung des Buches ist zu sagen, dass die Kritiken, die man über ,,Katz und Maus" findet kann, sehr polarisiert sind. So loben die einen das Buch wegen des eben angesprochenen Tiefgangs, andere beschreiben die Sprache als ,,unangemessen" oder ,,pervers", womit zum Beispiel Passagen von um die Wette onanierenden Teenagern gemeint sind, die genau beschrieben werden. Diese Szenen hätten fast dazu geführt, dass dieses Buch auf der "Liste jugendgefährdender Schriften" wegen pornografischen Inhaltes erscheint. Als jugendgefährdend ist es keineswegs zu bezeichnen, weil es in gewisser Form auch zum Pubertieren dazugehört. Ob der jeweilige Leser es aber als unangenehm empfindet, sei ihm überlassen. Ebenso ist in den meisten Rezensionen zu lesen, dass dieses Buch nicht an das Niveau des vorhergegangenen Werkes ,,Die Blechtrommel" herankommt. Dennoch halte ich persönlich diese Novelle insgesamt für lesenswert, weil sie den Leser mit einbindet und quasi dazu verpflichtet sich mit der Hauptperson und seinen Erfahrungen aus einer für Deutschland sehr bedeutsamen Zeit zu beschäftigen. Was das Buch für mich besonders interessant machte, war, dass es eine große Neugier über Mahlkes Persönlichkeit hervorruft und man ständig nach Antworten auf unter anderem die vorhin genannten Fragen sucht. Das Ende ist zwar offen, aber es lässt den Leser nicht im Dunkeln stehen, da der Kreis zum Anfang durch Aufnahme einer Metapher wieder geschlossen wird.

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Reclam Universal-Bibliothek, Nr.83, Iphigenie ...  

Autor/Autoren: Johann Wolfgang von Goethe
Herausgeber: Reclam, Ditzingen
Taschenbuch

Stichworte: [Literary studies: 19th century] [Plays & playwrights] [Plays & playwrights: 19th century] [Deutsche Belletristik] [Dramatik, Drehbuch] [TB/Belletristik/Dramatik] [Belletristik] [Dramatik] [Essays] [Lyrik] [Literary Criticism / Drama] [Literary Studies: Textbooks & Study Guides]

Kundenmeinungen:
+++ (ein Amazon Kunde): Die Iphigenie auf der Partyinsel
Das Buch "Iphigenie auf Tauris " ist ein Ideendrama. Das heißt, es handelt sich mehr um theoretische Überlegungen, Gedanken,Handlungen und Menschenbilder in dem Buch , als das tatsächlich viel passiert (wie z.b. in Faust). Iphigenie ist das Ideal der Humanität, sie ist nicht "nur" menschlich , sie verkörpert die "schöne Seele" , bei ihr stimme Neigung und Pflicht überein.(Herder!) Man lernt also durch das Buch auch das Ideal der damaligen Zeit kennen und die Funktion des Dichters ,die Menschen durch ihre Bücher belehren wollen. Allgemein nicht sehr schwer zu lesen (einfacher als Faust zumindest), es zieht sich nur manchmal in die Länge, da eben nicht wirklich was passiert auf Tauris. Fazit: Gutes Buch! Hätt ich nich besser gekonnt.....
+++++ (ein Amazon Kunde): Thoas: "Es spricht kein Gott, es spricht dein eigenes Herz."
## Iphigenie: "Sie reden nur durch unser Herz zu uns." Iphigenie, Tochter des Agamemnon, von der Göttin Diana dem grausamen Opfertod entrissen und nach Tauris versetzt, wo sie seitdem Dianas oberste Priesterin ist, sehnt sich nach ihrer griechischen Heimat zurück. Doch Thoas, der König der Taurier, der sie zur Frau begehrt, will sie nicht ziehen lassen. Ihretwillen hat er sogar die blutigen Menschenopfer der Skythen eingestellt, aber dennoch weist ihn Iphigenie sanft aber bestimmt zurück ("nicht unedel sind die Waffen eines Weibes"). Widerwillig verspricht Thoas, sie gehen zu lassen, wenn es dafür eine Gelegenheit gäbe ("Tu deine Pflicht, ich werde meine tun"). Zwei gefangene Fremde an Tauris Strand will der verbitterte König zum Opfertod bestimmen. Iphigenie muss in einem der Gefangenen ihren Bruder Orest wiedererkennen. Um seinen Vater Agamemnon zu rächen, war er zum Mörder seiner eigenen Mutter geworden und ist seitdem, gehetzt von Furien, dem Wahnsinn nah. Apollos Orakel hat ihn endlich nach Tauris gewiesen: wenn er die Schwester heimhole, so werde er entsühnt. Orest vermeinte, das Standbild Dianas rauben zu sollen, doch nun findet er hier seine eigene tot geglaubte Schwester. Gemeinsam mit Pylades wird ein Fluchtplan geschmiedet; das Schiff der Griechen wartet schon verborgen in einer Bucht. Iphigenie soll den Skythenkönig, der auf das Opfer drängt, noch ein wenig hinhalten. Doch Iphigenies reines Herz vermag den König nicht zu belügen. Offen gesteht sie ihm den Fluchtplan und macht ihm zugleich deutlich, dass er kein Recht habe, sie und die Gefährten festzuhalten. Sie gemahnt ihn an sein Wort - jetzt sei die Gelegenheit, wo er sie ziehen lassen müsse. Mürrisch gewährt es Thoas, doch nicht im Groll will Iphigenie von dem Mann scheiden, den sie wie einen zweiten Vater verehrt. Mit Engelszungen bezwingt sie das harte Herz des rohen Skythen und in wahrhafter Freundschaft dürfen die Gefährten von Tauris scheiden. Goethe (1749-1832) hat seine Iphigenie nach Vorlage der griechischen Tragödie des Euripides nach langem Ringen (1779-1789) als Schauspiel geschrieben, die Versform während und nach seiner Italienischen Reise. Goethe selber war zum Hof in Weimar gekommen, seine Aufgaben wechselten und der Dichterberuf kam sicher zu kurz. So konnte ihm der Gedanke an die alte griechische Dichtkunst einen Weg öffnen, der die Freiheit außerhalb Weimars möglich machte. Dieses Stück ist das Paradebeispiel der Hochklassik. Goethe verwendet hier das Streben nach Wahrheit, Menschlichkeit und die dahinterstehende Tat als seine ewige Botschaft. War noch Götz von der Freiheit beseelt, Faust im Ringen um Wort und Tat beschäftigt, so verbinden sich hier in wunderbarer Rhetorik Kommunikation, Überzeugung und Klarheit. Kein Ortswechsel, alles spielt im Hain Dianas Tempels und so rücken die Dialoge in den fünf Akten in den Vordergrund. Und in ihnen die Gegensätze, der Dualismus, kein Gutes ohne Böses, keine Wahrheit ohne Lüge, keine Ratio ohne Emotio etc ; Hegels negative Dialektik auch hier. Ob Iphigenie mit Thoas, der zur Überzeugung geführt werden will, ob der wahnsinnige Orest und der vernünftige Pylades, immer erstklassig bei reinster Sprache. So wie der Wunsch nach Nähe; Thoas drängt zu Iphigenie, so wird die Kluft größer. Erst im Freisein eröffnet sie ihm den Weg der Freundschaft. Trommelnde Rhetorik, Satz und Gegensatz in pfeilschneller Art tauschen Argumente, die immer mit dem Ziel Iphigenies verbunden sind, dem "Mächtigen, was ihm gefällt, mit Wahrheit zu sagen". Kein Trug, Wahrheit und Menschlichkeit sind ihre Farben, allgegenwärtig, "Ich habe nichts als Worte", ihre Botschaft an die Vernunft UND an das Gefühl. Wie Vernunft und Gefühl, gerade in dem strategischen Vorgehen Pylades ("zweifelnd beschleunigst du die Gefahr") im Verhältnis des eher wahnsinnig scheinenden Orest. Doch dieser erlebt am Ende des dritten Aktes eine therapeutische Wendung ("Es löset sich der Fluch, mir sagt\'s das Herz"). Im Erkennen der Schwester ("Zwischen uns sei Wahrheit!") erlischt Schuld und der Neubeginn des Lebens steht auf dem Plan ("Nach Lebensfreud\' und großer Tat zu jagen"). Die Götter sind dabei, auch bei Pylades, wenn er sagt: "Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht auf jener Willen droben achtend lauscht?" Ja, "um Gutes zu tun braucht\'s keine Überlegung", denn der "Zweifel ist\'s, der Gutes böse macht. Bedenke nicht, gewähre wie du\'s fühlst". So erkennt Thaos am Ende, dass er Iphigenie nicht halten kann, sie will neben all den hehren Tugenden die Freiheit, die sie nun von ihm bekommt, da er den Sinn wahrnimmt hinter ihren Worten: "frei atmen macht das Leben nicht allein." "Reiche mir zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte" sind Iphigenies Abschiedsworte. Iphigenie steht zwischen Thaos und Arkas, zwischen Orest und Pylades, sie verkörpert Goethes lebenslanges Menschheitsideal, welches er im Faust beschreibt, beginnend mit: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Der Naturmensch stirbt zugunsten des Geistes, ein ewig Stirb und Werde. Goethes Vorbild ist eine Tragödie, diese hätte im letzten Akt das zerstörerische Moment. Doch sein Ziel ist die Konfliktlösung, und der fünfte Akt ist die Befreiung aus Abhängigkeit und Schuld, hier wird der Konflikt endgültig aufgelöst, die Tragödie ist Schauspiel. Das Gute siegt wie die Menschlichkeit, der Humanismus, dem Menschen immanent.
+++++ (ein Amazon Kunde): Thoas: "Es spricht kein Gott, es spricht dein eigenes Herz."
# Iphigenie: "Sie reden nur durch unser Herz zu uns." Iphigenie, Tochter des Agamemnon, von der Göttin Diana dem grausamen Opfertod entrissen und nach Tauris versetzt, wo sie seitdem Dianas oberste Priesterin ist, sehnt sich nach ihrer griechischen Heimat zurück. Doch Thoas, der König der Taurier, der sie zur Frau begehrt, will sie nicht ziehen lassen. Ihretwillen hat er sogar die blutigen Menschenopfer der Skythen eingestellt, aber dennoch weist ihn Iphigenie sanft aber bestimmt zurück ("nicht unedel sind die Waffen eines Weibes"). Widerwillig verspricht Thoas, sie gehen zu lassen, wenn es dafür eine Gelegenheit gäbe ("Tu deine Pflicht, ich werde meine tun"). Zwei gefangene Fremde an Tauris Strand will der verbitterte König zum Opfertod bestimmen. Iphigenie muss in einem der Gefangenen ihren Bruder Orest wiedererkennen. Um seinen Vater Agamemnon zu rächen, war er zum Mörder seiner eigenen Mutter geworden und ist seitdem, gehetzt von Furien, dem Wahnsinn nah. Apollos Orakel hat ihn endlich nach Tauris gewiesen: wenn er die Schwester heimhole, so werde er entsühnt. Orest vermeinte, das Standbild Dianas rauben zu sollen, doch nun findet er hier seine eigene tot geglaubte Schwester. Gemeinsam mit Pylades wird ein Fluchtplan geschmiedet; das Schiff der Griechen wartet schon verborgen in einer Bucht. Iphigenie soll den Skythenkönig, der auf das Opfer drängt, noch ein wenig hinhalten. Doch Iphigenies reines Herz vermag den König nicht zu belügen. Offen gesteht sie ihm den Fluchtplan und macht ihm zugleich deutlich, dass er kein Recht habe, sie und die Gefährten festzuhalten. Sie gemahnt ihn an sein Wort - jetzt sei die Gelegenheit, wo er sie ziehen lassen müsse. Mürrisch gewährt es Thoas, doch nicht im Groll will Iphigenie von dem Mann scheiden, den sie wie einen zweiten Vater verehrt. Mit Engelszungen bezwingt sie das harte Herz des rohen Skythen und in wahrhafter Freundschaft dürfen die Gefährten von Tauris scheiden. Goethe (1749-1832) hat seine Iphigenie nach Vorlage der griechischen Tragödie des Euripides nach langem Ringen (1779-1789) als Schauspiel geschrieben, die Versform während und nach seiner Italienischen Reise. Goethe selber war zum Hof in Weimar gekommen, seine Aufgaben wechselten und der Dichterberuf kam sicher zu kurz. So konnte ihm der Gedanke an die alte griechische Dichtkunst einen Weg öffnen, der die Freiheit außerhalb Weimars möglich machte. Dieses Stück ist das Paradebeispiel der Hochklassik. Goethe verwendet hier das Streben nach Wahrheit, Menschlichkeit und die dahinterstehende Tat als seine ewige Botschaft. War noch Götz von der Freiheit beseelt, Faust im Ringen um Wort und Tat beschäftigt, so verbinden sich hier in wunderbarer Rhetorik Kommunikation, Überzeugung und Klarheit. Kein Ortswechsel, alles spielt im Hain Dianas Tempels und so rücken die Dialoge in den fünf Akten in den Vordergrund. Und in ihnen die Gegensätze, der Dualismus, kein Gutes ohne Böses, keine Wahrheit ohne Lüge, keine Ratio ohne Emotio etc ; Hegels negative Dialektik auch hier. Ob Iphigenie mit Thoas, der zur Überzeugung geführt werden will, ob der wahnsinnige Orest und der vernünftige Pylades, immer erstklassig bei reinster Sprache. So wie der Wunsch nach Nähe; Thoas drängt zu Iphigenie, so wird die Kluft größer. Erst im Freisein eröffnet sie ihm den Weg der Freundschaft. Trommelnde Rhetorik, Satz und Gegensatz in pfeilschneller Art tauschen Argumente, die immer mit dem Ziel Iphigenies verbunden sind, dem "Mächtigen, was ihm gefällt, mit Wahrheit zu sagen". Kein Trug, Wahrheit und Menschlichkeit sind ihre Farben, allgegenwärtig, "Ich habe nichts als Worte", ihre Botschaft an die Vernunft UND an das Gefühl. Wie Vernunft und Gefühl, gerade in dem strategischen Vorgehen Pylades ("zweifelnd beschleunigst du die Gefahr") im Verhältnis des eher wahnsinnig scheinenden Orest. Doch dieser erlebt am Ende des dritten Aktes eine therapeutische Wendung ("Es löset sich der Fluch, mir sagt\'s das Herz"). Im Erkennen der Schwester ("Zwischen uns sei Wahrheit!") erlischt Schuld und der Neubeginn des Lebens steht auf dem Plan ("Nach Lebensfreud\' und großer Tat zu jagen"). Die Götter sind dabei, auch bei Pylades, wenn er sagt: "Was ist des Menschen Klugheit, wenn sie nicht auf jener Willen droben achtend lauscht?" Ja, "um Gutes zu tun braucht\'s keine Überlegung", denn der "Zweifel ist\'s, der Gutes böse macht. Bedenke nicht, gewähre wie du\'s fühlst". So erkennt Thaos am Ende, dass er Iphigenie nicht halten kann, sie will neben all den hehren Tugenden die Freiheit, die sie nun von ihm bekommt, da er den Sinn wahrnimmt hinter ihren Worten: "frei atmen macht das Leben nicht allein." "Reiche mir zum Pfand der alten Freundschaft deine Rechte" sind Iphigenies Abschiedsworte. Iphigenie steht zwischen Thaos und Arkas, zwischen Orest und Pylades, sie verkörpert Goethes lebenslanges Menschheitsideal, welches er im Faust beschreibt, beginnend mit: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Der Naturmensch stirbt zugunsten des Geistes, ein ewig Stirb und Werde. Goethes Vorbild ist eine Tragödie, diese hätte im letzten Akt das zerstörerische Moment. Doch sein Ziel ist die Konfliktlösung, und der fünfte Akt ist die Befreiung aus Abhängigkeit und Schuld, hier wird der Konflikt endgültig aufgelöst, die Tragödie ist Schauspiel. Das Gute siegt wie die Menschlichkeit, der Humanismus, dem Menschen immanent.
+++++ (ein Amazon Kunde): Zauber der Sprache
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.

top neue deutsche literaturgeschichte: vom 'ackermann' zu günter grass

Neue deutsche Literaturgeschichte: Vom ... | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Peter J. Brenner
Herausgeber: Niemeyer, Tübingen
Taschenbuch

Stichworte: [Literature: History & Criticism] [Deutsche Literatur] [Geschichte (Gesamtdarstellungen)] [German] [HC/Deutsche Sprachwissenschaft, Deutschsprachige Literaturwissenschaft] [Deutschsprachige] [Literaturwissenschaft] [Literary Criticism / European / German] [Literaturgeschichte] [Literaturgeschichte; Deutschland] [Literature] [Literary Criticism]

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Wissen und Spannung: Literatur als Geschichte
Wer eine kompakte, preiswerte, anschauliche und ausserdem gut und spannend lesbare Literaturgeschichte sucht, ist mit Peter Brenners Buch bestens beraten. Ueberblickskapitel widmen sich der neueren deutschen Literatur von der fruehen Neuzeit über Klassik, Romantik, Realismus, \'Drittes Reich\' und Exil bis zur Gegenwartsliteratur; am Ende steht das "Weite Feld" des Nobelpreiostraegers Grass. Sozialgeschichtliche Zusammenhaenge, aesthetische Grundlagen und repraesentative Epochentexte werden bei aller Knappheit einlaesslich behandelt. Wohltuend ist der asketische Umgang mit Zitaten: der eigene Zugang zum Werk dominiert. Zu guter Letzt ist Brenners Literaturgeschichte ein vorzuegliches Kompendium fuer Pruefungskandidaten aller Klassen. Freilich: die Lektuere der deutschen Literatur ersetzt es nicht (wie alle guten Literaturgeschichten). Wer wissen will, wie Effi Briests Hund heisst, muss schon bei Fontane selbst nachlesen. MB

top luftkrieg und literatur

Luftkrieg und Literatur | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Winfried G. Sebald
Herausgeber: Fischer (Tb.), Frankfurt
Taschenbuch

Stichworte: [Modern fiction] [20. Jahrhundert (seit 1945)] [45] [Deutsche Literatur] [Luftkrieg, Flugzeuge] [Nachkriegsliteratur] [Weltkrieg 1939] [Literature - Classics / Criticism] [German] [TB/Deutsche Sprachwissenschaft, Deutschsprachige Literaturwissenschaft] [Deutschsprachige] [Literaturwissenschaft] [Biography & Autobiography / General] [General] [General & Literary Fiction]

Luftkrieg und Literatur ist die Buchfassung einer Vorlesungsreihe, die W. G. Sebald an der Universität Zürich gehalten hat. Hauptthese und Kollektivvorwurf: Die deutsche Nachkriegsliteratur hat sich vor einer Thematisierung des Luftkrieges gedrückt. Von Ausnahmen abgesehen (Heinrich Bölls Roman "Der Engel schwieg", in den vierziger Jahren geschrieben und 1992(!) veröffentlicht; H. E. Nossacks Dokumentarerzählung "Der Untergang"), haben sich erst in den frühen Siebzigern Vertreter einer jüngeren Schriftstellergeneration diesem Phänomen zugewandt (Alexander Kluges Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945 ; Hubert Fichtes Roman Grünspan ). Die literarische Verarbeitung des Luftkrieges bei Autoren wie Arno Schmidt, Peter de Mendelssohn, Hermann Kasack u.a., hält er wohl mit Recht für zu marginal, um seine These nachhaltig zu erschüttern. Der an jene gerichtete Vorwurf allerdings, "pseudoästhetische Effekte aus den Trümmern einer vernichteten Welt" zu produzieren, mag nun wohl etwas zu üppig dosierter polemischer Toback sein. Die heftigen Proteste auf seine Vorlesung von Seiten der üblichen Verdächtigen auf der Linken und der naturgemäß unerwünschte Applaus auf der Rechten hat Sebald veranlaßt, der Buchveröffentlichung noch eine ergänzende Antwort an Gegner und falsche Freunde beizufügen. Als Schmankerl zum Schluß, von der Sache her vielleicht nicht ganz logisch, bietet uns Sebald noch einen Essay über Alfred Andersch als Beispiel für Eitelkeit, Selbstüberschätzung und Anmaßung eines ansonsten durchaus sympathischen Autors. Wer die halbwegs deftige, aber grundsätzlich an der Sache interessierte Polemik schätzt, wird an diesem Buch seine Freude haben. Das Thema verdient in jedem Fall Interesse. --DTH Aus der Amazon.de-Redaktion

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Das Buch öffnet einem die Augen
Hier wird „aus großer Höhe" (wenn ich mal so sagen darf) über einen langen Zeitraum reflektiert und auf hohem Niveau ein bedeutendes Versagen der deutschen Nachkriegsliteratur konstatiert. In diesen Züricher Vorlesungen offenbart sich W.G. Sebald gleichzeitig als lebendiger Literat, der anschauliche Einzelheiten ausgesucht hat, die man nicht wieder vergisst. Man möchte sofort mehr von ihm lesen - und ihn auch als Erzähler kennen lernen. Mir hat das Buch die Augen geöffnet. Mir ist klar geworden, dass wir erst am Anfang einer Aufbereitung der Vergangenheit stehen, die auch vorher gar nicht stattfinden konnte. Mir war nicht mal das Ausmaß, nicht mal die wahre Größenordnung der Katastrophe bewusst gewesen, obwohl ich bisher auch nicht gerade blind und taub durch Deutschland gereist bin und selber über die Verdrängungs-Mechanismen nachgedacht habe - ihnen aber gleichwohl erlegen bin. Insofern bin ich diesem Text richtig dankbar. Auch die bekannten kunstvoll überhöhten Verarbeitungen (insbesondere bei Alfred Andersch - und darüber hinaus durch die gesamte Gruppe 47) erscheinen in einem neuen Licht. Ja, es besteht sogar die Gefahr, dass einige Leser Alfred Andersch nach der Lektüre dieses Buches gar nicht mehr mögen.
+++++ (ein Amazon Kunde): Sebald provokativ
Sebalds verschlungenen und verdichteten Werke wollen nicht eine Öffentlichkeit in ihren Bann ziehen. Sie fordern einen aufmerksamen, geduldigen Leser, der sich einbringt. Luftkrieg und Literatur behagt dem gleichen Typ Leser. Gleichzeitig hat sich Sebald ein Thema aufgedrängt, das für eine breite Öffentlichkeit von Bedeutung ist. Wenn man Sebald nicht genauer kennt, ist es nicht ganz einfach, seinen Gedankengängen und seinen subtil-ironischen Beurteilungen zu folgen. Im Grossen und Ganzen aber ist die Arbeitsweise von Sebald schlicht ergreifend: Er strebt nicht nach einer verstaubten Wissenschaftlichkeit, sondern lässt sich von dem, was er berichtet, ergreifen. Er greift Details heraus und arbeitet sie aus, um andere Zusammenhänge ganz auszublenden. Man kann nur den Hut ziehen vor seiner Art, Leid sichtbar zu machen, ohne dabei falsche Schuldzuweisungen vorzunehmen. Gerade im Umgang mit allen Ereignissen ist es ungeheuer schwierig, die nötige Sensibilität aufzubringen. Sebald ist einer der wenigen, der sie gehabt hat.
+++++ (ein Amazon Kunde): Interessantes Thema, endlich erfaßt, wenn auch mit Lücken
Sebald führt in seinen, nun auch nachbearbeiteten Buch (mit Ledigs "Vergeltung", die auch deswegen wieder erschienen ist) in ein wichtiges, von der Literatur wirklich vergessenes Thema ein. Leider sind die Verweise für die Buchform eher löchrig, und die Hinweise meist auch zu knapp umrissen. Mir persönlich fehlen in der Auflistung zum Beispiel völlig Remarque (Zeit zu leben...) und andere die aus der kurzen Distanz sich des Themas annahmen. Fazit: Thema brilliant gewählt - als Buch zu undeutlich.
++++ (ein Amazon Kunde): Fuer Literatur-und geschichtlich interessierte Leser
Wenn man Sinn und Mut hat sich mit neuen Aspekten auseinanderzusetzen dann ist dieses Buch interssant und kurzweilig zu lesen. Vorrauszusetzen ist zeitgeschichtliches und literaisches Wissen. Gute Aufmachung des Buches, angenehmes Format, ein wenig teuer.

top die weber: vollständiger text des schauspiels. dokumentation

Die Weber: Vollständiger Text des Schauspiels. ... | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Gerhart Hauptmann
Herausgeber: Ullstein Tb
Taschenbuch

Stichworte: [Literary studies: from c 1900 -] [Novels, other prose & writers] [Novels, other prose & writers: from c 1900 -] [Hauptmann, Gerhart] [German] [TB/Belletristik/Dramatik] [Deutschsprachige] [Literaturwissenschaft] [Literary Criticism / European / German] [Die Weber (G. Hauptmann)] [Literary Studies: Textbooks & Study Guides]

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Sozialkritisches Drama, überraschend aktuell
Schlesien im Jahr 1844: Das Textilgewerbe, einst ein wichtiger Wirtschaftszweig, steckt in der Krise. Die Weber stellen noch Stoffe in Heimarbeit am Handwebstuhl her, während in England schon mechanische Webstühle eingesetzt werden, die bessere Ware schneller und billiger produzieren. Um gegen diese Konkurrenz bestehen zu können, versuchen die Fabrikanten die Löhne möglichst niedrig zu halten. Die Weberfamilien arbeiten immer härter und können von dem kargen Verdienst dennoch kaum leben. Anfang Juni 1844 treibt sie die blanke Not schließlich in einen Aufstand, der jedoch von Soldaten der Regierung blutig niedergeschlagen wird. Hauptmanns sozialkritisches Drama "Die Weber", das sich sehr stark an den historischen Ereignissen orientiert, wurde nach seiner Veröffentlichung erst einmal von der Zensur verboten. Hauptmann stellt die Not der Weber drastisch dar und wendet sich vehement gegen Unternehmer, die nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln und dabei die Menschen aus dem Auge verlieren. Das Stück ist über 100 Jahre alt, doch überraschend aktuell in Zeiten der Globalisierung, in denen wieder Fragen um Konkurrenzkampf und die soziale Verantwortung von Unternehmern diskutiert werden.
+++++ (ein Amazon Kunde): Suuper
ich musste in der schule ein referat über den naturalismus und im besonderen über gerhardt hauptmann halten. anfangs fand ich das thema gänzlich uninterresant aber zum schluss hat es mich gefesselt. ich fand es beeindruckend, wie gerhardt hauptmann und die anderen "großen" des naturalismus, wie Zola, vor allem die gesellschaft kritisierten. Mein lieblingswerk ist aber das buch "die weber" und die dazu gehörenden zeichnungen von käthe kollwitz. diese zeichnungen machen das buch glaube ich noch anschaulicher. es ist zwar sehr schwer zu lesen, aber das gehört zu einem buch aus dem naturalismus dazu. fazit: ein klasse buch, das aber schwer verständlich ist.
+++++ (ein Amazon Kunde): Tolles Theaterstück, tolle Ausgabe
Gerhart Hauptmann hat sein mitreißendes, zauberhaft wirklichkeitsnahes naturalistisches Drama "Die Weber" streng nach den historischen Details des schlesischen Weberaufstands von 1844 geschaffen. Weil er die Szenerie immer bis in die letzte Einzelheit in seinen Regie-Anweisungen beschreibt, fällt es dem Leser nicht schwer, sich das Geschehen auf der Bühne plastisch vorzustellen. Es ist viel los in dem Stück, und wenn jemand einwenden sollte, dass vieles davon nicht auf der Bühne zu sehen ist, weil es zu groß oder zu schlimm ist, um dort gespielt werden zu können, so dass man es nur hört oder aus den Berichten der Personen auf der Bühne erfährt, so kann man ihm entgegnen, dass man ein solches naturalistisches Schauspiel heutzutage sowieso nirgendwo mehr aufgeführt bekommt (unsere Regisseure machen aus sowas Impressionistischem grundsätzlich was Expressionistisches) und dass man sich die Ereignisse in dem Stück, wenn man es LIEST, sowieso selbst vorstellen muss. Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass Hauptmann durch diese dramaturgische Technik auf höchst kunstvolle Weise das kritisch-historische Forschen, das seinem Dichten - wie immer - auch bei "Die Weber" voranging, zum Teil auf den Zuschauer überträgt, der sich, wie der Autor aus geschichtlichen Aufzeichnungen, aus den Berichten der Personen zusammenreimen muss, was sich momentan woanders als in dem Raum abspielt, der für ihn sichtbar ist. Aus dieser Ferne kommt immer mehr ins Bewusstsein des Zuschauers - und auch des Lesers, denn die Ereignisse hinter der Bühne werden natürlich NICHT durch Regie-Anweisungen umrissen - herein, und zum Schluss beginnt dieses Hereinkommende, die Grenze zwischen Fiktivem und Real-Gesehenem endgültig sprengend und die Vergangenheit tränenreich aus der Versenkung hervorholend, im Theater (oder auch im stillen Kämmerlein des Lesers) die ganze Niedertracht und Schwächlichkeit der Ausbeutung im Frühkapitalismus kongenial als eine große Blase aufzupumpen, die der Wahrnehmende gar nicht mehr anders KANN als zum Platzen zu bringen, wenn die erregte Menschenmenge auf dem Vorplatz des Rathauses durch die Suffiten "summt", wie Hauptmann es verlangt, so dass jeder einzelne Rezipient des Stücks sich auf sich selbst zurückgeworfen sieht, weil so überdeutlich in die Augen springt, dass man - in diesem Falle Hauptmann - rein exemplarisch mal wenige Menschen besonders hervorheben kann (ja, dass es schon rein technisch gar nicht anders geht), an denen deutlich wird, wie wichtig es ist, dass die vielen Hungrigen, die nur dumpf in Erscheinung treten KÖNNEN, auf eine sachgemäße Art und Weise geleitet werden. So verwundert es nicht, dass die Aufführung in Breslau zu einer hitzigen Debatte im dortigen Parlament geführt hat, über die man sich aus der vorliegenden ausführlich kommentierten Ausgabe schlau machen kann. In Berlin durfte "Die Weber" gar nicht aufgeführt werden, weil man Ausschreitungen von Proletariern befürchtete. Wohl nicht zufällig wurde das Drama überall als ein sozialdemokratisches Tendenzstück empfunden. Hans Schwab-Felisch hat sich mit der Edition dieses zentralen Werks von Hauptmann eine so große Mühe gemacht, dass man sich schon wundert und sich das letztlich nur dadurch erklären kann, dass der Herausgeber wohl den schuftenden Webern nur meinte gerecht werden zu können, wenn auch er mehr und das gründlicher tut, als das eigentlich nötig wäre. Die Worte eines "adligen Herrn" (so Gerhart Hauptmann), der wegen des Stücks über ihn gesagt haben soll: "Der Kerl gehört hinter Schloss und Riegel!" hat mein sehr gründlicher Deutschlehrer allerdings nicht in Schwab-Felischs Ausgabe gefunden. Und ich auch nicht. Sind sie womöglich gar nicht gesagt worden?

top bertolt brecht. literaturwissen für schule und studium

Bertolt Brecht. Literaturwissen für Schule und ... | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Franz-Josef Payrhuber
Herausgeber: Reclam, Ditzingen
Taschenbuch

Stichworte: [Literary studies: from c 1900 -] [Plays & playwrights] [Plays & playwrights: from c 1900 -] [Brecht, Bertolt] [Deutsch] [Kommunikation] [German] [TB/Schule, Lernen/Lektüren, Interpretationen, Lektürehilfen/Deutsch] [Abiturwissen] [Lernhilfen] [LITERARY CRITICISM / Drama] [Literary Criticism / European / German] [Brecht, Bertolt; Interpretationen] [Literary Criticism]

top daten deutscher dichtung. chronologischer abriß der deutschen literaturgeschichte. band 1: von den anfängen bis zum jungen deutschland.

Daten deutscher Dichtung. Chronologischer ... | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Herbert A. Frenzel, Elisabeth Frenzel
Herausgeber: Dtv
Taschenbuch

Stichworte: [Literary studies: general] [Deutsche Literatur] [Geschichte (Gesamtdarstellungen)] [German] [TB/Sachbücher/Kunst, Literatur/Literatur/Allgemeines, Nachschlagewerke] [Deutschsprachige] [Literaturwissenschaft] [Literary Criticism / European / German] [Deutsche Literatur; Handbuch/Lehrbuch] [Deutsche Literatur; Lexika/Nachschlagewerke] [Literaturgeschichte; Deutschland] [Literary Studies: Textbooks & Study Guides]

Kundenmeinungen:
+++++ (ein Amazon Kunde): Kompakt und informativ
Die Bände zur deutschen Dichtung nehmen nicht viel Platz im Bücherregal weg und bieten trotzdem einen umfangreichen und guten Überblick vom Mittelalter an. Also nicht nur StudentInnen der NDL (Neueren Deutschen Literaturwissenschaft) finden hier Informationen, auch die Mediävisten kommen auf ihre Kosten, um bestimmte Werke in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Der erste Band beginnt mit dem frühen Mittelalter von 750 bis 1170, läuft weiter über das hohe und späte Mittelalter, die Renaissance von 1470 bis 1600, auch Barock, Aufklärung, Empfindsamkeit, natürlich Sturm und Drang, die Klassik und Romantik, schließlich Biedermaier und Vormärz. Der Realismus ab 1850 leitet den zweiten Band ein, den man gleich zusammen mit dem ersten Band anschaffen sollte. Zu jeder Epoche gibt Frenzel einen historischen Überblick mit wesentlichen Ereignissen auf politischer und geisteswissenschaftlicher Ebene, den Zusammenhang zu zentralen Werken, Vorbildern und ausländischen Einflüssen. Darauf folgt für die jew. Epoche eine Chronologie aller bedeutenden Werke mit Angaben zu Autor, Titel, Inhalt und Bedeutung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni -Studentenrezension.)
+++++ (ein Amazon Kunde): Literaturgeschichte auf einen Blick mit hohem Anspruch
Der zweite Band der Literaturgeschichte knüpft nahtlos an den ersten Band an: Mithilfe von Kurzzusammenfassungen der wichtigsten Werke, Nennung und Kurzbiographie entscheidender Autoren sowie größeren Einleitungen zur jeweiligen Epoche (mit ihrem politischen, sozialen und philosphischen Hintergrund) vermittelt das Buch einen differenzierten sowie wissenschaftlich fundierten Einblick. Im zweiten Band ist besonders der Beitrag zur Moderne positiv herauszuheben: Anders als in Handbüchern mit ähnlichem Anspruch werden hier Inhalte vermittelt, die sonst verborgen bleiben. Einfühlsam wird auf die verschiedenen Strömungen eingegangen, die die Moderne geformt haben und die sie ausmachen. Die Autoren zeichnen ein ganzheitliche Bild der Epoche und gehen dabei erfreulicherweie auf wichtige Details ein, ohne sich jedoch darin zu verlieren. Besonders lobend hervorzuheben ist die Darstellung der Literatur nach 1945, die in keinem anderen vergleichbaren Werk so verständlich und zugleich so vielschichtig behandelt wird. Außerdem ist noch positiv zu vermerken, daß der vorliegende Band über die Wende und deutsche Einheit von 1989/ 90 hinausgeht. So kommt auch der aktuelle Anspruch, den viele Leser aus Mangel an brauchbarer sehr neuer Forschungsliteratur stellen, nicht zu kurz. Alles in allem sind beide Teile der Literaturgeschichte als nahezu unentbehrlicher Begleiter durch den germanistischen Alltag nur zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni -Studentenrezension.)
+++++ (ein Amazon Kunde): Toller Überblick
Der erste Band des chronologischen Abriß ist besonders als Überblick der - im Vergleich zur (beginnenden) Moderne "abgrenzbareren" älteren Epochen (Von den Anfängen bis zum jungen Deutschland) - hilfreich. Gerade für Studenten, aber auch für die oberen Klassen des Gymnasiums findet der Lernende hier, wonach er schon lange gesucht hat: Dies ist keine typische Literaturgeschichte, die mit Daten und Namen zugepfercht ist, und auch kein hochphilosophischer Abriß, den man erst nach dem 13. Semester intensiven Germanistikstudiums versteht. (Natürlich ist trotz allen Lobs klar, daß eine solche Literaturgeschichte trotzdem Gefahr läuft, Namen und Daten zu "häufen".) Frenzel/ Frenzel haben schon im ersten Teil einen ordentlichen Überblick über die deutsche Literaturgeschichte vorgelegt, in dem viel erklärt wird, Kurzbiographien der wichtigsten Autoren verzeichnet sind, und die bedeutendsten Werke in Kurzzusammenfassungen (inkl. "Mini-" Interpretationen) vorgestellt werden. Besonders positiv scheint der Beginn des Abrisses, der im Titel vage mit "den Anfängen" charakterisiert wird. Hier werden auch Autoren und Werke lange vor der frühen Neuzeit (ab 750!!) berücksichtigt, die in manch anderem ähnlichen Werk außen vor bleiben. Die Mischung zwischen germanistischem Anspruch und dem Verlangen der Lernenden nach einer verständlichen Literaturgeschichte mit Tiefgang scheint gelungen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni -Studentenrezension.)
++++ (ein Amazon Kunde): Nicht nur zum Nachschlagen, auch zum Lernen
Hier findet sich - Gottseidank! - keine Literaturgeschichte im herkömmlichen Sinne, wie man sie etwa bei Fritz Martini noch findet. Stattdessen wird hier die Literaturgeschichte in die wohlbekannten (gleichwohl problematischen, hier aber nur als Orientierungszeiträume verstandenen) Epochen untergliedert, und dann wird jeweils der Versuch unternommen, die Abgrenzung dieser Epoche dadurch zu rechtfertigen, daß man ihr jeweils bestimmte Eigenschaften zuschreibt - und zwar deskriptiv jene, die in der allgemeinen Forschung damit identifiziert werden, und z.T. aufgezeigt anhand der konkreten Texte. Insbesondere findet sich zu jeder Epoche eine Liste der "wichtigsten" Autoren sowie der bedeutendsten Werke. Die Auswahl mag einige ärgern, aber irgendwo mußte halt die Grenze gezogen werden. Wer sich hineinkniet, wird eh\' noch rechts und links von dem lesen wollen (und natürlich können, dürfen und sollen), was hier angegeben ist. Speziell zu Schiller und Goethe finden sich ausgedehnte Abschnitte, die Leben und Werk ausführlich (aber immer noch lexikonartig) behandeln; auf diese Art und Weise entsteht - nicht nur für die Klassik - eine Art Zeittafel, auf der die einzelnen Werke eingetragen sind, so daß man sich eine gute Vorstellung von bestimmten Entwicklungen machen kann. Allein dies rechtfertigt schon die Anordnung der Texte streng nach dem Zeitprinzip (was auch zeigt, daß das Epochenprinzip nicht knallhart durchgezogen wird - ab und an schaut schon einmal ein Text über die eigentlich zugewiesenen Zeitgrenzen hinaus. Und das macht das Buch ja nur besser). (Dies ist eine Amazon.de an der Uni -Studentenrezension.)
++++ (ein Amazon Kunde): Als Nachschlagewerk gut geeignet
"Daten sind die Voraussetzung aller geschichtlichen Erkenntnis", schreiben die Herausgeber in ihrem Vorwort. Nur allzuwahr, und auch in der Literaturwissenschaft muß man zuweilen wissen, welches Werk wann bzw. welche Werke in welcher Reihenfolge geschrieben wurden, um sie richtig einschätzen zu können. Dafür und für einiges andere leistet dieses Nachschlagewerk nützliche Dienste. Was es nicht ist, ist eine Literaturgeschichte im herkömmlichen Sinne. Denn hier werden nicht mehr oder minder mühsam Verbindungen von diesem zu jenem Werk hergestellt, die Vorgehensweise ist eine andere. Die Literaturgeschichte ist in Epochen aufgeteilt, wie sie allgemein in der Literaturwissenschaft üblich sind (auch wenn natürlich die Epochengrenzen nicht so absolut genommen werden dürfen, wie es zunächst erscheinen mag - das sieht man etwa auch daran, daß Werke, die bei einer bestimmten Epoche angegeben sind, aus deren Zeitrahmen herausfallen); zunächst wird stets der wesentliche geschichtliche Hintergrund der Zeit sowie vor allem die theoretischen Grundlagen einer bestimmten Epoche beschrieben, bevor dann in Kürze die "wesentlichen Werke" dieser Zeit angegeben werden. Bei einer solchen Auswahl, die sich nahe an einer Kanon-Bildung bewegt, kann man natürlich nur Fehler machen, und so werden zwangsläufig die einen oder anderen das eine oder andere Buch vermissen oder auch hier fehl am Platze weil unwichtig finden. Auch die (sehr knapp gehaltenen) Inhaltsangaben bieten reichlich Anlaß zu Kritik, denn in der Kürze verfälschen sie mehr als daß sie nützen. Aber "der Frenzel" kann und will ja auch weder große Lexika (etwa den Kindler) noch die eigene Lektüre ersetzen. Aber bei der Einordnung will und kann dieses Buch helfen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni -Studentenrezension.)

top das treffen in telgte: eine erzählung und dreiundvierzig gedichte aus dem barock

Das Treffen in Telgte: Eine Erzählung und ... | in den Warenkorbin den Warenkorb

Autor/Autoren: Günter Grass
Herausgeber: Dtv
Taschenbuch

Stichworte: [Modern fiction] [Fiction] [Literary] [Deutsche Belletristik] [Roman, Erzählung] [Literature - Classics / Criticism] [TB/Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)] [Belletristik] [Dramatik] [Essays] [Lyrik] [Fiction / Literary] [General & Literary Fiction]

Kundenmeinungen:
+++ (ein Amazon Kunde): mit entsprechendem Wissenshintergrund ansprechend
Ich muss hier ausnahmsweise teilweise der lesenden Jugend zustimmen. Das Buch ist nicht das, was uns Reich-Ranitzky versprochen hat ("Grass\' bester Roman"), sondern ein Beitrag zur lyrischen Geschichte des Barock, der nicht für alle Leser etwas Bleibendes hinterlassen wird. Die Idee ist schon ziemlich abseitig: ein Treffen von Dichtern zum Ausgang des mörderischsten Krieges auf deutschem Boden, die sich zum Texte lesen und zum Verfassen eines Friedensmanifests in einem Gasthaus in Telgte treffen und nach und nach erfahren müssen, dass auch Literaten sich keinesfalls außerhalb der verderbten Welt befinden, dass auch Dichter allein durch ihr Dasein korrumpiert werden können. So stellt sich bald heraus, dass der für die Verpflegung sorgende Rittmeister (Gag: der spätere Autor des Simplicissimus) das "Fouragieren" mit alles anderen als moralisch sauberen Mitteln besorgt, was den moralischen Konflikt offen ausbrechen lässt. Man muss die Dichter schon kennen, die hier angesprochen werden (Opitz, Logau und Gryphius mögen dem einen oder andern noch bekannt sein, aber wer kennt denn noch Hofmannswaldau, Scheffler (später Angelus Silesius), Moscherosch oder Spee) und man muss sich sogar, damit man dem Roman folgen kann, ein wenig mit der deutschen Geschichte auskennen - insbesondere mit den Verhältnissen während des 30jährigen Krieges - und (Gott bewahre) mit der Lyriktheorie des Barock. Davon abgesehen ist das Buch durchaus von Interesse, stilistisch weit gehend gelungen, macht aber mit seinem abgehackten Satzstrukturen das Lesen mühsam und hat ein paar überflüssige nervende Schnörkel. Ältere und Kenntnisreiche können aus der Analogie Telgte-Gruppe 47, aus den Anspielungen auf den katastrophalsten Krieg der Geschichte in deutschen Landen und den Konfessionsstreit einiges an historischen Zusammenhängen entnehmen und das Buch nutzbringend finden. Wer aber das Interesse für das Thema nicht mitbringt, kann getrost die Finger vom Buch lassen.
+++++ (ein Amazon Kunde): Liebe Schülerinnen und Schüler
auch mir wurde in der Schule so manche Lektüre verleidet und ich habe ca. 20 Jahre gebraucht, um mich wieder an Schiller zu wagen! Aber dennoch: Bitte nicht aus der Schulerfahrung über Bücher urteilen. Grass ist ein unvergleichbarer Sprachmeister, der im Treffen von Telgte sein Wissen um die Barockdichter (Grimmelshausen ist einer seiner Lieblingsautoren) geschickt nutzt, um die Treffen der Gruppe 47 auf einer Metaebene zu beschreiben. Das Buch erschließt sich eigentlich erst zu vollem Genuss, wenn man die Hintergründe und die einzelnen Barockdichter wirklich kennt. Das leistet zum Beispiel das zugehörige Reclam-Heft über die Materialen. Ich habe mir seinerzeit beide Bücher gleichzeitig gekauft und die Lektüre hat Riesenspaß gemacht.
++++ (ein Amazon Kunde): Ein Dichtertreffen in Westfalen
Als "Das Treffen in Telgte" stattfand, lebte mein Lieblingster, der frühverstorbene Paul Fleming ("Wie er wolle geküsset seyn") [1609-1640], leider schon nicht mehr. Ansonsten wäre der - trotz seines jungen Alters schon - vielgereiste Weltenbummler, wäre er nicht gerade mal wieder fern der Heimat unterwegs gewesen, im westfälischen Telgte höchstwahrscheinlich dabei gewesen. Doch viele andere waren dort, im Telgte jener Tage: Heinrich Böll, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger ..., ach nein, ich wollte sagen: Andreas Gryphius, Georg Philipp Harsdörffer, Philipp von Zesen. Dass das - fiktive - Treffen in Telgte, zu dem man sich im Jahre 1647 am Vorabend des den Dreißigjährigen Krieg beschließenden Westfälischen Friedens zusammenfand, nur eine Metapher ist, schadet der Sache in keiner Weise. Es traf sich, auf Einladung von Simon Dach, die Crème de la Crème der Dichterfürsten des deutschen Barocks - nebst den vorgenannten: Grimmelshausen von Gelnhausen, Paul Gerhardt, Friedrich von Logau, Sigmund Birken und noch einige mehr. Das, wofür Günter Grass seine Erzählung als Metapher verwendet, war nämlich ein anderes Literatentreffen, ziemlich genau dreihundert Jahre später, das damals - und in den Folgejahren wiederholend -, im Gegensatz zu dem fiktiven Treffen in Telgte, denn auch wirklich stattfand: als sich (erstmals) eine Gruppe von zeitgenössischen Schriftstellern im September 1947 - wiederum in unserem nach einem verheerenden Krieg daniederliegenden Land - zusammenfand, um, neben der "Förderung von Autoren der noch jungen deutschen Nachkriegsliteratur", "die Aufklärung und Erziehung zur Demokratie der Menschen in Deutschland nach dem Hitlerregime" voranzutreiben. Die Gruppe 47. Das Metapher-Spielchen ist eine Sache, das hingeht bis zu - und davon bin ich fest überzeugt - halbprivaten Angelegenheiten des Autors und seinen, auch für ihn sicherlich schönen, Erinnerungen an die Treffen der Jahre 1947 und folgende. Dafür steht nicht zuletzt auch, dass die Erzählung ein Geburtstagsgeschenk des Günter Grass an seinen Freund Hans Werner Richter, den Initiator und Gastgeber der Gruppen-Treffen, war. - Um diesen Aspekt nicht weiter zu verfolgen, sollte man den Kurzroman als das lesen, was er ist: als schmackhaften Einstieg, sich mit Leben und Werken der Dichter zu beschäftigen, von denen diese Geschichte handelt. Dazu macht das Büchlein Lust und Laune. Und dass man in Folge auf poetische Highlights des 17. Jahrhunderts trifft - man lernt dabei Martin Opitz [1597-1639] näher kennen, der beim Treffen selbst, so wie Fleming, gar nicht mehr dabei sein konnte, "... will ich in den süßen Saft, / den die Traube gibt, vergraben", liest vom seinem Honigvögelein (was vordergründig naiv und vorvorgestrig anmutet, es aber nicht ist) und freut sich über Bezugnahmen zur eigenen Heimat: "Vom Wolfsbrunnen bei Heidelberg"; man liest uns schaut "Das Beste der Welt" von Friedrich von Logau [1604-1655]; man erfährt, beziehungsweise weil man\'s irgendwie schon wusste wird man bestätigt, dass die Ihrerzeitigen auch keine Kinder von Traurigkeit waren, wie zum Beispiel Christian Hofmann von Hofmannswaldau [1616-1679] "schauet der Lesbie durch ein Loch zu" - ..., dass man auf diese poetischen Highlights trifft, unterstreicht den Stellenwert dieser Grass\'schen Idee: "Gestern wird sein, was morgen gewesen ist."
+++++ (ein Amazon Kunde): Macht oder Ohnmacht der Worte ?
Im September 1947 rief Hans Werner Richter, dem diese Erzählung gewidmet ist, erstmals einen Kreis von Autoren, Kritiker und Gästen zusammen, die sich fortan auf Anregung von H.G. Brenner ,Gruppe 47\' nannte. Man las einander unveröffentliches vor, kritisierte, kommentierte ,verlieh sich später Preise und stritt darüber, was aus den noch rauchenden Trümmern Nazideutschlands, durch Literatur genährt, emporwachsen sollte. Grass verlegt die Handlung seiner Erzählung um 300 Jahre zurück ans Ende des Dreissigjährigen Krieges, das eine ähnliche Zäsur in der Deutschen Geschichte darstellte wie das Jahr 1945. Grass lässt sein Personal in Ambiente und Sprache jener Zeit auftreten und mutmassen, ob des Dichters Wort ein Pfund ist, mit dem gewuchert werden kann. Das Fegefeuer der Eitelkeiten loderte schon damals und drohte zu verschlingen, was eigentlich über den Tag hinaus leuchten sollte. Ein wunderbar gearbeitetes kleines Meisterwerk.

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